NICH im EINSATZ
sondern x_chronikh1.html
Lochbeil (Fragment) aus der Steinzeit wurde 1930 in Haringsee im Bernsee gefunden.
Lange bevor Haringsee urkundlich erwähnt wurde, lebten hier schon Menschen. Durch Funde aus der jüngeren Steinzeit wird dies nachgewiesen. Ackerbau und Viehzucht waren schon verbreitet. Die Bewohner unserer Gemeinde waren Illyrer, denen die Kelten folgten. Die frühgermanische Zeit unserer Heimat begann im 1. und 2. Jahrhundert v. Chr. mit dem Vordringen der Quaden. Die Donau war die Grenze des römischen Reiches geworden. Markomannen und Quaden dominierten nördlich der Donau. Es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Germanen und Römern. Das Marchfeld war die Kornkammer für beide Völker. Als die Macht der Römer im Sinken war, kam es zur Völkerwanderung.
Dieser Steinmörser wurde beim Gemeindehausbau im Jahre 1962 gefunden.
Den Westgoten folgten Rugier, Ostgoten und Langobarden. Nach deren Abzug besetzten die Awaren das Land und beherrschten es zwei Jahrhunderte hindurch. Eine weitere Gefahr für unsere Heimat waren die Magyaren (Hunnen). Otto II. übergab die "Mark im Osten" Leopold I. Mit ihm begann die 270 Jahre dauernde Herrschaft der Babenberger in österreich. Unter Markgraf Leopold III. dem Heiligen (1075 -1135 Klosterneuburg) nahm das Land einen spürbaren Aufschwung und gelangte zu einem bisher nicht erreichten Wohlstand.
Haringsee war schon im 11. Jahrhundert Regensburger Besitz und gehörte zur k. k. Familienherrschaft Eckartsau, deren Amtssitz sich in Orth befand.
Horgwense wird zum ersten Mal urkundlich erwähnt, und zwar im "Klosterneuburgischen Saalbuch".
"Zum horwegen sewe" heißt "zum verschlammten, schmutzigen See", damit ist wohl der Bernsee, der in früheren Zeiten immer Wasser hatte und zirka ein Drittel des Gemeindegebietes umfasste (siehe Grafik), gemeint. Aus dem Dorf beim schlammigen See entstand der Ortsname Haringsee.
Die Grenze des Gemeindegebietes im Norden ergab sich durch den damaligen Verlauf des Rußbaches, welcher erst 1864 begradigt und reguliert wurde.
1200 | Der Ort wird Horgensee genannt.
1230 | In Wien wird mit dem Bau des Stephansdoms begonnen.
1233 | Der Ort wird de Horense genannt.
1277 | Der Ort wird Horgense im Marchvelt genannt.
1278 | Rudolf von Habsburg besiegt Ottokar von Böhmen in der Schlacht bei Dürnkrut.
1314 | Der Ort wird Hargense genannt.
1338 | Drei Jahre hintereinander suchen Heuschrecken aus den östlichen Ländern den Ort heim. Sie ziehen im Juli und August durch das Land und fressen alles Grün bis auf den letzten Halm ab.
1340 | Der Ort wird Harigense genannt.
1350 | Der Ort wird Hargensee genannt.
1379 | Der Vatikan wird zur Papstresidenz in Rom.
1429 | Der Ort wird Haringsee genannt!!!
1429 | Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus.
1529 | Die Türkenbelagerung Wiens vom 27. September bis 14. Oktober 1529 hinterlässt auch Spuren im Marchfeld. Der größte Teil der Bevölkerung wird durch das Schwert aufgerieben oder in Gefangenschaft geführt.
Nach dem Krieg besiedelt man die Gegend mit aus Bosnien und Kroatien stammenden Siedlern. 1851 zählt man in Haringsee 319 Kroaten. Bis zum Jahre 1785 wird in der Kirche Haringsee kroatisch gebetet und gesungen.
1805 | Die Haringseeer Kirche ist eine Filialkirche der Pfarre Orth und ist wahrscheinlich das älteste Gotteshaus des Marchfeldes. Aus Mangel einer Urkunde oder eines Gedenksteines ist die Erbauung nicht datierbar.
Der mächtige Turm, in dem römische Steine als Baumaterial verwendet wurden, hat einen Meter dicke Mauern und Schießscharten. Der schmale Aufstieg, ein ca. 60 cm breiter Gang, ermöglicht nur das Eindringen eines Mannes nach dem anderen. Um die Kirche befindet sich der Friedhof, der mit einer Mauer, ebenfalls mit Schießscharten, umgeben ist. Außerhalb umringt ein Wassergraben, über den eine Zugbrücke führt, das Areal der Kirche. Somit finden die Bewohner Schutz vor den Türken, Kuruzzen, ungarischen Rebellen und anderen Feinden.
1530 | Die ersten gedruckten Bücher (Gebetsbücher) erscheinen.
1579 | Religionswirren zwischen Katholiken und Protestanten.
1605 | Ungarische Haiducken äschern Haringsee ein. Besondere Bedeutung bekamen die Haiducken unter Istvan Bocskay, der im Februar 1605 zum Fürsten von Siebenbürgen gewählt wurde und den sogenannten Bocskay-Aufstand gegen Habsburg ins Leben gerufen hatte, der mit der Freiheit Siebenbürgens von Österreich endete. In diesem Aufstand ging es neben der Unabhängigkeit von Habsburg, was mehrmals versuchte das Fürstentum zu okkupieren, auch um die Verteidigung des Protestantismus, dem Siebenbürgen mittlerweile angehörte. Während des Bocskay-Aufstandes drangen die Haiducken bis in das Burgenland, Niederösterreich und die Steiermark vor, wo sie Ortschaften plünderten und verwüsteten.
1689 | Loslösung von der Pfarre Orth, somit wird Haringsee zur Pfarre erhoben.
Graf Friedrich Maximilian von Herberstein ist Besitzer der Herrschaft Eckartsau und des Dorfes Haringsee.
Der Freihof Fuchsenbigl wird der Seelsorge Haringsee zugeteilt.
Das Langhaus der Kirche wird erbaut.
1708 | Die Kuruzzen brennen Haringsee vollständig nieder.
Ungarische Aufständische nannten sich ab dem 15. Jahrhundert Kuruzzen ("Kreuzträger"). Bei ihrem Aufstand unter Franz II. Rákóczi gegen die Habsburger wurden ab 1703 Teile von Niederösterreich, das Burgenland und die östliche Steiermark bis 1709 mehrmals überfallen und verwüstet. Zum Schutz von Wien wurde 1704 der Linienwall (Verlauf des Gürtels), eine leichte Befestigungslinie, angelegt, ebenso vom Neusiedler See bis zur Donau mehrere Schanzen.
1713 | Die Pest wütet - Bild: Pestarzt.
1726| Dieser alte Grenzstein (1726) erinnert noch an die Fam. Graf von Kinsky, die von 1720 - 1760 im Besitz der Herrschaft Eckartsau und somit des Dorfes Haringsee ist.
1760 verkauft Graf von Kinsky die Herrschaft an den Gemahl der Kaiserin Maria Theresia, Kaiser Franz I.
Dieser Grenzstein steht heute noch an der Gemeindegrenze gegen Wagram.
1742 | Die ersten Glocken werden für die Pfarrkirche angeschafft.
1744 | Die Pfarrkirche erhält eine dritte Glocke, sie trägt das Bild des Hl. Florian.
1750 | In Wien wird Schloss Schönbrunn fertiggestellt.
1751| Ortsplan von Haringsee aus dem Jahre 1751, der Sumpf reicht bis zum Dorf.
Die Besitzverhältnisse:
3 Fünfviertel-Lehner, 32,50 Joch
15 Ganzlehner, 26,00 Joch
2 Dreiviertel-Lehner, 19,50 Joch
19 Halblehner, 13,00 Joch
1 Dreiachtel-Lehner, 9,75 Joch
2 Einviertel-Lehner, 6,50 Joch
8 Hofstätter, 0.75 Joch
22 Kleinhäusler
1765 | Über die Gründung der Haringseeer Volksschule lässt sich mangels einer Urkunde nichts angeben. Im pfarrlichen Gedenkbuch wird die Reihenfolge der Schullehrer ab 1765 geführt.
Die ersten bekannten Lehrer in Haringsee (aus einem Vermerk im Grundbuch Groß-Enzersdorf zu sehen, das im Nö-Landesarchiv aufliegt) waren von 1689-1765 Lorenz Fabitsch und nach ihm sein Sohn Bartholome Fabitsch.
1768 | Die Pfarrkirche erhält eine 507 kg schwere Glocke.
1774 | Kaiserin Maria Theresia (Bild links) führt die allgemeine Schulpflicht ein.
1784 | In Österreich wird von Joseph II. Deutsch als verbindliche Landessprache eingeführt.
1785 | Pfarrer Colomann Patoczka sucht um Verlegung des Friedhofes an, da dieser rund um die Kirche im Laufe der Zeit zu klein wurde. Es wird aber entschieden, dass er seinen Platz belassen werde.
Wegen ständiger Streitigkeiten zwischen Kroaten und Deutschen wird die kroatische Sprache in der Kirche verboten.
1786 | Mozart (Bild rechts) schreibt "den Figaro".
1786 | Das erste Schulgebäude wird unter Lehrer Greogor Simanowitsch errichtet. Die erste Zeit, von 1765 bis 1786, findet der Unterricht in seinem Privathaus (Haus Nr. 5 - heute Hauptstraße 44) statt. Gregor Simanowitsch war 55 Jahre Lehrer in Haringsee (1765-1819) und starb am 20.10.1820.
1805 | Der Pfarrhof Haringsee wird erbaut. Dieser ist bis auf kleine bauliche Veränderungen bis zum Jahre 2004 so erhalten geblieben.
Da das Einkommen des Pfarrers zu gering ist, werden die Bewohner zur pfarrlichen Robot verpflichtet.
1800 | Die Erstbesteigung des Großglockners gelingt.
1801 | Ein Marterl (Wallfahrtskreuz), welches mittlerweile im Garten des Landwirtes Wald steht, befindet sich an einem Weg zu den Wallfahrtsorten Groissenbrunn und Maria Tal (Slowakei). Es ist der Brauch dieser Zeit, sich vor Antritt einer Wallfahrt von seinem Heimatorte zu verabschieden.
1805 | Napoleon kommt bei seinem Siegeszug durch Europa nach österreich. Auch die Bewohner unseres Dorfes bleiben von den Kriegsgeschehen nicht verschont. Sowohl 1805 als auch 1809 berichtet die Pfarrchronik, dass die Franzosen durch Haringsee marschieren und manche von ihnen Quartier beziehen.
Ein Verteilungsplan der Besatzungskosten auf die Ortsbewohner wird erstellt.
Napoleon Bonaparte (1769 - 1821)
1817 | Die Kirche bekommt eine Orgel.
1817 | In Haringsee hat die Blasmusik eine lange Tradition. In den Jahren 1817 bis 1875 sind Gemeinderechnungen mit 15 Ausgabeposten für Instrumente und 45 Musikantenentlohnungen angeführt.
1820 | Überschwemmung in Haringsee
1829 | Feuersbrunst in Haringsee.
1844 | Jene Glocke, die genau vor 100 Jahren (1744) angeschafft wurde, bekommt einen Sprung und muss erneuert werden.
1845 | Der Verlauf des Rußbaches wird begradigt und reguliert, indem er ein neues Bett, durch hohe Dämme eingefasst, erhält. Die Arbeiten werden mittels Darlehen finanziert und dauern bis 1849, der Schuldschein vom 23. Dezember 1844 liegt im Gemeindeamt auf, zwei Zeugen aus Lassee wurden geholt, da ja alle Haringseeer als Schuldner unterschreiben mussten.
1848 | Das Revolutionsjahr 1848: Der Aufstand der Wiener gegen die Herrschaft des Fürsten Metternich (1773-1859) färbt auch auf das Land ab. Auch in Haringsee ist man nicht bereit, Robot und Zehent abzuliefern. Man vergreift sich an herrschaftlichem Eigentum, die Jagdbarkeit wird eigenmächtig ausgeübt.
Wegen der labilen innenpolitischen Lage stimmte Kaiser Ferdinand der Forderung der Bevölkerung nach Wahlrecht für alle Männer zu. Im Juli 1848 trat zum ersten mal der öffentlich gewählte Reichstag zusammen und beschloß umgehend einige Veränderungen: Alle Bürger haben ab sofort Anteil an der öffentlichen Verwaltung und Gesetzgebung. Es herrscht Pressefreiheit und eine verhältnismäßig gleiche Besteuerung der Stände
1849 | Die Gemeinde wird selbständig und wählt ihren Bürgermeister.
1850 | Bezirkshauptmannschaft, Steueramt, Gendarmerie treten in Kraft, Einführung der Hauszins- und Einkommensteuer.
Die ersten Briefmarken werden ausgegeben.
1854 | Niederösterreich wird in vier Viertel eingeteilt. Unser Gebiet erhält die Bezeichnung "Viertel unter dem Manhartsberg" bzw. Weinviertel.
1864 | Das Schulgebäude wird der Gemeinde Haringsee mit dem Recht der grundbücherlichen Besitzanschreibung übergeben.
1866 | Die Preußen sind da. Der Rußbach ist Demarkationslinie (Haringsee österreicher - Lassee Preußen). 11 Häuser brennen ab.
1867 | Johann Strauß schreibt "An der schönen blauen Donau".
1868 | Das Jagdrecht, welches bis dato die Familienherrschaft Eckartsau innehatte, wird der Gemeinde Haringsee übertragen. Vor dem ersten Weltkrieg wird die Jagd an den meistbietenden Jagdpächter vergeben.
1868 | Die pfarrliche Robot wird von der Gemeinde Haringsee abgelöst.
1869 | Die polit. Behörden übernehmen die Schulaufsicht. Die Gemeinde erhält das Schulgebäude (Nr. 71) von der Familienherrschaft Eckartsau. Bis 1869 ist der Schuldienst mit dem Messnerdienst verbunden und der Ortspfarrer Vorgesetzter des Lehrers.
1871 | Großbrand in Haringsee - die Häuser Nr. 32 bis 45 brennen ab.
1876 | Das metrische Maß wird eingeführt.
1881 | Der Rinderpest fallen im Herbst 1881 in Loimersdorf, Markthof, Engelhartstetten und Lassee zahlreiche Rinder zum Opfer. Allein in Lassee gehen 900 Rinder zugrunde. Haringsee bleibt zur Gänze von dieser Seuche verschont.
1881 | Die Freiwillige Feuerwehr Haringsee wird gegründet.
Originalabschrift der Gründungsurkunde:
Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Haringsee
Die Freiwillige Feuerwehr zu Haringsee wurde im Jahre 1881 gegründet. Die Statuten derselben wurden am 21. April 1881 in der Sitzung des Gemeinde-Ausschusses genehmigt. Haringsee, am 21. April 1881.
Georg Schauer - Gemeinderath Johann Kaiser - Bürgermeister Franz Weninger - Gemeinderath
Zahl 16377 Der Bestand dieses Vereines nach Inhalt der Statuten wird im Sinne des § 9 des Gesetzes vom 15. November 1867 R.G.B. Nummer 134 bescheinigt. K. u. K. Statthalterei Wien, am 1. Mai 1881 In Vertretung der K. K. Vizepräsident Kutscherer
1882 | Die 507 kg schwere Glocke aus dem Jahre 1768 bekommt einen Sprung und muss durch eine neue, 408 kg schwere Glocke ersetzt werden. Sie wird in Wr. Neustadt gegossen.
Unweit der Dorfes Haringsee steht an der Straße gegen Fuchsenbigl ein rotes Kreuz. Dieses Kreuz wird von den Bewohnern aus Haringsee und Fuchsenbigl als Zeichen des Dankes an Gott wegen Verschonung von der Rinderpest im Jahre 1882 errichtet. Das früher dort gestandene Kreuz hat ein Sturm am 2. Juli 1880 umgeworfen.